Rückwärtslauf der Zeit

Aus zwei Motiven heraus sehnt sich der Mensch, die Zeit rückwärts laufen zu lassen: Erstens ungeschehen zu machen, wofür man sich geschämt hat und zweitens, um jünger zu werden. Im ersten Fall hilft manchmal auch das Vergessen, um mindestens im subjektiven Erleben die Scham ausgelöscht zu haben, leider ist damit nicht das Ereignis selbst und die Erinnerung der Anderen an dieses Ereignis gelöscht. Im zweiten Fall könnte das Verdrängen der Realität helfen, aber wie, wenn einen doch auf Schritt und Tritt der Spiegel verfolgt, im Badezimmer, in der Garderobe, im Restaurant, in den Geschäften und in allen spiegelnden Fensterscheiben und letztlich in den sich einschleichenden Gebrechen. Hoffentlich kann uns die nächste Inkarnation eines Einstein statt gekrümmtem Raum und gedehnter Zeit rückwärts laufende Zeit und verlassenen Raum gewinnen lassen.

Eine merkwürdige Etymologie (2)

Wie ist die chinesische Ähnlichkeit des Wortes Tai Fung mit Taifun zu verstehen? Dort gibt es die Wörter Tai Fung, Tai Feng. Da Feng bedeutet großer Wind. Im Indonesischen, wieder einer ganz anderen Sprachgruppe, heißt der Sturm taufan, im Japnischen taifu. Alles, was aus dem Englischen abgeleitet ist, spricht den ersten Vokal als ai aus, wie im Deutschen Taifun und im Finnischen taifuuni, die romanischen Sprachen bleiben bei der antiken Vokalaussprache, dass i gleich i ist. Das Italienische hält sich mit dem Wort Tifone an den griechischen Sturmgott Typhon. das Französische spricht typhon mit nasalem zweiten Vokal ohne Aussprache von n, Schwedisch orientiert sich klassisch mit Typhoon.

Eine merkwürdige Etymologie (1)

Das Wort Taifun ist eine Verdeutschung des um 1819 geprägten engl. Wortes Typhoon, das erstmals 1555 als Tiphoon, (Wirbelsturm) in die Literatur einging. Abgeleitet wohl vom griechischen Typhon, (Wirbelwind) dessen Deisierung Typhon ist, der Gott der Stürme. 1580 kann man im Englischen Formen wie touffon und tufan finden. 1666 taucht das Wort tuffoon auf. Im Arabischen heißt Sturm tufan und umdrehen heißt tafa, was möglicherweise das portugiesische tufao (Sturm) geprägt hat. Europäischer und arabischer Raum könnten sich gegenseitig in der Sprachbildung des Wortes beeinflusst haben.

Der Windstoss (Coup de vent)

Jean-Baptiste Camille Corot Corot, Jean-Baptiste-Camille (1796-1875), französischer Maler und Graphiker, zu dessen bedeutendsten Werken stimmungsvolle Landschaftsbilder zählen, die auf den Impressionismus vorausweisen, hat 1855 das Gemälde „coup de vent“ geschaffen. Im Gegensatz zu anderen seiner Bilder schlägt einem hier die Trostlosigkeit aufs Gemüt. Die karge Landschaft unter dem grauen Himmel mit einem Wanderer auf einem Feldweg ohne sichtbare Gesichtszüge und ohne Richtung der Bewegung, verloren in der Ziellosigkeit, symbolisiert das eintöniges Leben eines einsamen Menschen, der zwischen Depression und Verzweiflung schwankt. Die vom Sturm schräg geblasenen Bäume sehen wie Ruten aus, die auf den Mann einschlagen. Es ist als ob der Depressive den Moment erlebte, wo die Welt auf ihn einstürzt.

neuer Weltrekord geplant

In Indien hat der Bau einer Statue in dem Ort Kevadia rund 170 Kilometer südöstlich von Gujarats größter Stadt Ahmedabad begonnen. Es soll die größte Statue der Welt werden soll. Nach seiner Fertigstellung soll das Standbild Sardar Patel (1875 bis 1950) darstellen, den Unabhängigkeitskämpfer und Begründer des von den Briten befreiten indischen Staates. Mit der Höhe von 182 Metern wird sie doppelt so hoch wie die Freiheitsstatue Amerikas und viermal so hoch wie die Christus-Statue in Rio de Janeiro werden. Bei der Grundsteinlegung auf einer Insel im Narmada-Fluss rief der Ministerpräsident des Bundesstaats Gujarat, Narendra Modi, die Bauern auf, Metall zu spenden, um es für die Statue einzuschmelzen. Die bisher höchste Statue ist ein 128 Meter hoher Buddha in der chinesischen Provinz Henan. Die Statue in Kevadia soll in vier Jahren fertiggestellt sein. Die Kosten von 25 Milliarden Rupees (297 Millionen Euro) sollen durch Spenden und Steuermittel erbracht werden.

Lüge bei Tieren

Die Lüge ist fast nur dem Menschen möglich, obwohl man Ansätze dazu auch bei Hunden, Katzen und Affen findet. In einer natürlich lebenden Herde täuschte ein Affe Feindesalarm mit seinem Schreien vor, um sich, nachdem die starken Männchen zur Vereidigung ausgeschwärmt waren, auf das Weibchen geil zu stürzen, das er in Anwesenheit des Chefaffen nie hätte bekommen können. Katzen, welche genau wissen, dass sie vom Tisch nichts naschen dürfen, tun dieses sofort, sobald sie allein im Zimmer sind und springen flugs davon, wenn Herrchen oder Frauchen zur Tür eintritt, Hunde drehen den Kopf weg und gähnen, wenn sie im Konflikt eines Verbots stehen, das sie gerne übertreten würden. In jeder Lüge steckt eine Verstellung, die durch emotionale oder mimische Reaktionen aus tieferen Schichten der seelischen Struktur entlarvt wird, und dies nicht nur beim Menschen auch beim Tier.

Fanatismus

Eines der schrecklichsten Charaktereigenschaften ist der Fanatismus, weil er in primitivster Form die Menschen und soziale Gegebenheiten in gute und böse spaltet. Ohne jegliche Differenzierung der tatsächlichen Vielfältigkeit aller religiösen und politischen Richtungen kennt er nur zwei Kategorien: Freunde und Feinde, die ersten blind bejahend, die zweiten zum Ausrotten verdammt.

Die Moral dieser Menschen ist auf dem Stand der Kleinkinder stehen geblieben, wo es nur zwei heftige Gefühle gibt, Lust und Unlust und zwei Beziehungsmuster, Lieben (die eignen Eltern) oder Fürchten (alle Fremden). Die Erziehung dieser Menschen vollzog sich autoritär und extrem intolerant, in der Fixierung eines Feindbildes und verharrte in der harten Unterscheidung von Gut und Böse, Erlaubt und Verboten, Wahr und Falsch ohne jegliche Zwischenstufen und Relativierungen, wie sie in der gemäßigten normalen und pädagogisch einfühlsamen Sozialisierung stattfindet. Erziehung zum Fanatismus ist Erziehung zum Mörder.

Der Künstler Bezalel

Von Künstlern aus griechisch archaischer Zeit und den orientalischen Regionen der Zeiten davor sind keine Namen überliefert, dafür aber beeindruckende Reste ihre Kunstwerke. Aber von einem um 1000 v. Chr. wirkenden Künstler haben wir den Namen, aber leider kein Kunstwerk mehr. Es handelt sich um den im 2.Mose Kapitel 31 genannten Bezalel, der von Gott beauftragt wurde, die Stiftshütte (eine Art Tempel) zu bauen. „Und der Herr redete zu Mose und sprach: Siehe, ich habe mit Namen berufen Bezalel, den Sohn des Uri, des Sohnes Hurs, vom Stamm Juda, und habe ihn mit dem Geist Gottes erfüllt, mit Weisheit, Verstand und Können um für jedes Kunsthandwerk, Pläne zu entwerfen, um in Gold, Silber und Bronze zu arbeiten. Auch mit (der Fertigkeit zum) Schneiden von Steinen zum Einsetzen und mit der Holzschnitzerei (habe ich ihn begabt), damit er in jedem (Hand)werk arbeiten kann.“ Sehr schön kommt hier auch der Sachverhalt zur Sprache, dass ein guter Künstler mit Weisheit und Verstand ausgezeichnet ist, was immer die Voraussetzung für hohes Können ist.

Was ist Wahrheit

Was ist Wahrheit? Im sozialen Gefüge der Menschen eine Sache, deretwegen schon Millionen von Menschen gefoltert und umgebracht wurden, eine endlose Liste von religiösen und politischen Märtyrern, deren Leben teils sinnlos hingeschlachtet wurde, teils aber auch durch ihren beispielhaften Mut große humane Veränderungen hervorgerufen haben, die ohne das wahre Bekenntnis nie zustande gekommen wären. Wann also ist das Beharren auf Wahrheit – und es immer die subjektive Sicht der Wahrheit – sinnlos wie es bei Galilei war oder sinnvoll wie es bei Luther war? Hinweisen möchte ich auf ein Zitat von David Nyberg, Professor an der State University in New York: „Die körperliche und seelische Unversehrtheit unserer Mitmenschen, ihr Wohlergehen und ihre Würde sind höhere Werte als die Wahrheit“.

Die lieblichste Lüge

Jede Lüge ist eine Verstellung, sei es unserer Tat, unserer Gedanken oder unserer Erscheinung. Eine Frau färbt sich die Haare, verlängert ihre Wimpern, betont den Ausdruck ihrer Augen durch gefärbte Umrandungen, bleicht ihre Stirn mit Puder, erfrischt ihre Wangen durch Rouge, erhöht den Sexappeal ihrer Lippen durch knalliges Rot. Gehört das zu der dem Menschen eigenen Lust zur künstlerischen Gestaltung? Oder ist es eine Lüge, das wahre, unverfälschte, natürliche Antlitz zu verbergen und ein schöneres vorzutäuschen? Wenn ja, dann ist das die lieblichste Lüge.